Astrofotografie bei Mondlicht (und Stadtlicht) – geht das?

Auch wenn es viele vielleicht nicht glauben, aber die Antwort ist: Ja.

Mond und Planeten gehen natürlich immer bei Mond- (und Stadtlicht), aber wie ist es mit DeepSky?

Auch das geht. Dazu bedienen Sie sich der Technik der Schmalbandfotografie. Idealerweise verwendet Sie dazu eine CCD-SW (mono)-Astrokamera und endsprechende Schmalbandfilter welche nur das Licht bestimmter Bereiche zulässt. Diese lassen (fast nur) das Licht von Ha, OIII und SII durch. Solch eine Ausrüstung ist extrem teuer (3000 € und mehr). Aber es geht auch Preisgünstiger. Haben Sie bereits einen Astromodifizierte DSLR, dann fehlen nur noch die Filter. Für die sogen. Hubbel-Palette benötigen Sie alle drei genannten Filter, aber auch nur der Ha-Filter reicht schon für erste Ergebnisse.

Für die Modelle der Canon-EOS Reihe gibt es günstig Clipfilter, so z.B. einen Ha-Clipfilter mit der Bandbreite 12nm, 6nm usw. Sinnvoll ist für eine DSLR nur der 12nm-Filter da die anderen nur sehr wenig Licht durchlassen und ein Fokussieren fast unmöglich machen.

Der Astronomik 12nm-H-alpha-Clip-Filter wird direkt in den EOS-Kamerabody eingesetzt und wirkt als Linienfilter für Wasserstoffnebel. Wortlaut des Herstellers: Dieser Filter ist geeignet für die Fotografie von Wasserstoffnebeln aus kunstlichtverschmutzten Gebieten (und bei Mondlicht) aber auch von Orten mit dunklem Himmel. Die Kontraste zwischen Objekten, die im H-alpha Licht leuchten und dem Himmelshintergrund werden extrem verstärkt.

Im unteren Beispiel habe ich Aufnahmen mit einer EOS 60Da und einen Ha-12nm-Clipfilter bei fast vollem Mondlicht gemacht. Da der Filter sehr viel Licht anderer Wellenlängen schluckt, sind sehr lange Belichtungszeiten nötig. Eine gute Nachführung ist daher von höchster Wichtigkeit.

Je nach Außentemperatur können ISO-Werte von 400 bis 1600 und Belichtungszeiten von 300 bis 1800 Sekunden gewählt werden. Das aufgenommene Bild besteht dann (zuerst) nur aus Rot. Da die astromodifizierte DSLR eine Farbkamera ist, arbeitet sie mit der Bayer-Matrix und das Ergebnis entspricht den Spezifikationen. Im Sommer bei hohen Temperaturen tritt, wegen der nötigen sehr langen Belichtungszeiten und somit sehr hoher Erwärmung des Kamerasensors, extremes Bildrauschen auf. Nutzen Sie diese Technik daher eher zu kühleren Jahreszeiten.

Benötigt wird nur der eigentlichen Rotkanal für die Aufnahme und nicht der Grüne sowie der Blaue – diese enthalten nur Bildrauschen und zeigen nicht das aufgenommene Objekt, da der Ha-Filter das Licht dieser nicht ausreichend durchlässt. Deshalb müssen alle Aufnahmen vor dem Stacken (Bildstapelverarbeitung) in ihre Einzelfarbkanäle getrennt werden.

Diesen Arbeitsschritt können Sie leicht mit der Freeware Fitswork als Stapelverarbeitung erledigen. Die blauen und grünen Kanäle werden gelöscht, weiter geht es nur mit den Roten (Diese sind dann in SW, da ja die anderen Farbinformationen der Bayer-Matrix fehlen).

Die Bilder des Roten Kanals werden zunächst in Fitswork gestackt (übereinandergelegt) und dann in Photoshop weiterverarbeitet.

Nach dem Bildstacken mit Fitswork ist das Bildrauschen merklich reduziert.

Die Bildverarbeitung des gestackten Ha-Bildes ist wesentlich einfacher als bei einer Farbaufnahme. Was allerdings auffällt, ist das Horizontale Banding. Diese waagerecht verlaufenden „Störstreifen“ (auch Helligkeitsschwankungen) treten besonders auffällig bei dieser Aufnahmetechnik auf.

Mit Hilfe der Photoshop-Aktion „Astronomy Tools 1.6“ ist es sehr leicht dieses Banding zu entfernen. Dies ist auch der erste Arbeitsschritt. Entfernen Sie das Banding mithilfe der Photoshop-Aktion. Anschließend wird das Hintergrundrauschen etwas minimiert. Aus diese Aktion enthält das Tool.

Anschließend folgen die üblichen Bearbeitungsschritte wie: Hintergrundrauschen reduzieren, Histogramm, Sterne verkleinern.

Gut, dies ist nur eine einfache „Anleitung“ zum Ha-Foto mit einer DSLR, später, wenn Sie die ersten Ergebnisse erzielt haben und weitere Erkenntnisse in der Bildverarbeitung gewinnen konnten, können Sie auch die Kompletten Arbeitsschritte mit Flats, Bias und Darks anwenden. Dies werden genauso durchgeführt wie bei einer „normalen“ DSLR Astroaufnahme.

Unten das Endergebnis:
„The Wall“ NGC 7000 in Ha(alpha) bei Mondlicht und Sommerhitze. Canon EOS 60Da mit 12nm Ha-Filter am TS APO 115/800 + Photoline 0,79x.

12 x 600 Sekunden bei ISO 800
2 x 300 Sekunden bei ISO 1600
40 x 240 Sekunden bei ISO 1600

Weiteres Bildbeispiel:
Melotte 15, das Zentrum des Herznebels IC1805. Canon EOS 60Da mit Ha-Filter 12nm bei fast Vollmond. Gesamtbelichtungszeit ca. 6,7 Stunden.